Nachhaltigkeit/ Outfits

Wieso Fair Fashion?

Wieso Fair Fashion?

Nachdem sich dieser Blog sehr viel mit Fair Fashion beschäftigt, ist es nun auch an der Zeit einen Beitrag darüber zu schreiben, wie ich eigentlich zu Fair Fashion gekommen bin. Wieso kaufe ich nur noch Fair Fashion Items und was ist überhaupt Fast Fashion? Hier könnt ihr meinen Beitrag für das Label Green Shirts lesen, wo ich auch einige Tipps für einen nachhaltigen Alltag gebe.

Unter Fast Fashion versteht man das Geschäftsmodell verschiedener Textilhändler, bei welchem die Kollektion laufend verändert wird. Man spricht dabei teilweise von über 50 verschiedenen Kollektionen pro Jahr. Daher gibt es mehrmals im Jahr Ausverkauf, oft auch einen Andauernden. Ziel dieser Strategie ist es, die Kunden dadurch noch öfter im Jahr in das Geschäft zu locken, damit diese sich neue Kleidung kaufen. So und jetzt stellen sich die Fragen:

Wie kann es möglich sein, dass nur ein einziges Label so viele unterschiedliche Kleidungsstücke pro Saison, pro Jahr herausgibt? Wieviel Kleidung brauchen wir wirklich? Was hat dieser ständige Kollektionswechsel für eine Auswirkung auf unser Kaufverhalten?

Jede Woche erscheinen neue Werbemagazine, neue Plakate, neue Prospekte mit neuen Designs und auch neuen Must-Haves der Saison. Und in der Folge haben wir natürlich immer den Drang genau diese Stücke zu kaufen! Karierte Hosen sind dieses Jahr total modern und ich habe noch keine … natürlich muss ich mir dann so eine kaufen, ist doch ganz klar!

Aber wer und was steckt dahinter? Sind wir nur Opfer einer riesengroßen Marketingstrategie und verfallen wir wie Süchtige immer wieder diesem Wahnsinn?  Die Antwort lautet traurigerweise JA!

Und natürlich werden diese Kleidungsstücke nicht unter guten Bedingungen hergestellt. Ist ja auch ganz logisch. Ich kann bei diesen Preisen nicht diverseste Kollektionen pro Jahr herausgeben und diese alle in Österreich von den hier arbeitenden SchneiderInnen produzieren lassen. Das niedrige Preisniveau wäre unmöglich zu erreichen und nur die wenigsten würden die teureren Sachen so oft im Jahr kaufen. Also gehen die Firmen nach Asien und produzieren dort, zumeist unter schlechten Bedingungen, billige Kleidung. So ist es für jeden möglich immer die neuesten Must-Haves zu haben und den Trends zu folgen!

Ich war genau so.

Ich war eine absolute Schnäppchenjägerin und darauf auch sehr stolz. Schaffte ich es doch tatsächlich mit kleinem Budget immer neue Kleider, Schuhe und andere Dinge zu ergattern. Zwei Pullover um zwanzig Euro! Das ist ein wahnsinns Angebot! Gut gemacht, Johanna! Ich konnte mir auf die Schultern klopfen. Mist … schon wieder ein BH kaputt! Ich hasste es mein Geld für Unterwäsche und Socken auszugeben, wollte ich doch viel lieber eine neue Jeans darum kaufen. Also was habe ich gemacht? Ich bin zu H&M gelaufen und habe um 8 Euro gleich zwei neue BH’s gekauft. Toll, die waren sogar verbilligt!

Ich habe gewusst, was für ein Spiel ich hier spiele. Ich wusste, dass ich ethisch fragwürdige Geschäfte unterstütze, aber ich habe weggeschaut. Österreich ist wirklich ein tolles Land. Keine Geldsorgen, eine wunderschöne Wohnung, eine tolle Ausbildung.

Ein böser und egoistischer Mensch war ich glaube ich nie (oder?), ich habe immer wieder etwas gespendet und den armen Leuten auf der Straße Gutes getan. Wieso habe ich dann nicht an die Menschen gedacht, die meine Kleidung herstellen? Wie leben diese? Behinderungen und missgebildete Kinder wegen der starken Chemikalien, die in den Kleidungsfabriken verwendet wurden. Eingestürzte Häuser, viele Tote, Selbstmord, weil das Land von Großkonzernen weggenommen wurde. Alleinstehende Mütter, Kinder ohne Eltern … so viel Leid und ich schaute weg. Bis ich mir den Film „The True Cost“ angeschaut habe. Inzwischen habe ich diesen Film sicher schon vier Mal gesehen. Als ich ihn aber das erste Mal gesehen habe, das weiß ich noch ganz genau, wie entsetzt ich von all den Tatsachen war. Natürlich war mein ganzes Gewand von solchen Fabriken und Ländern! Ich glaube nur meine Dirndln waren in Österreich hergestellt, der Rest aus Bangladesh, Indien, China, Pakistan usw.

Und dort sind die Zustände wirklich traurig, entsetzlich und dramatisch.

Dann habe ich entschieden, dass sich mein Leben RADIKAL ändern muss. Kein H&M, Zara, C&A, Primark und was es sonst noch so gab mehr für mich. Aus. Mein Kasten war knallvoll, da waren genug Sachen drin, dass ich die nächsten hundert Jahre nichts Neues mehr brauche.

Eigentlich war die Umstellung gar nicht so schwierig, wie ich es mir vorgestellt habe. Keine Kleidungsmagazine mehr, keine Onlineshops und keine Geschäftsauslagen mehr anschauen. So kommt man auch gar nicht erst in Versuchung. Stattdessen stürzte ich mich in Recherche bezüglich Fair Fashion, nachhaltigen Modemarken und Second Hand Shops. Und was soll ich sagen? Ich hatte richtig Spaß dabei und die Schnäppchenjägerin war somit auch befriedigt. Natürlich ist fair produzierte Mode teurer als Fast Fashion, ist auch klar. Hier werden nur nachhaltige Stoffe verwendet, keine Chemikalien benützt und die Arbeiter richtig und ordentlich bezahlt. Ich hab auch nicht gleich drauf los gekauft, das hätte meine Geldbörse auch nicht so einfach zugelassen und zudem wäre es ja auch nicht gerade sehr ökologisch. Also begann ich eigentlich zuerst damit, mir ein eigenes Bewusstsein über meine Kleidung zu schaffen. Man kann auch nicht von einem Tag auf den anderen einen komplett nachhaltigen und fairen Kleiderschrank haben. Das ist ein Prozess, der in kleinen Babyschritten voranschreitet.

Brauche ich wirklich ein neues Teil? Wie dringend ist das? Muss ich es gleich haben oder kann das noch warten? Vielleicht kann ich ja auch einfach andere Kleidungsstücke miteinander kombinieren, damit eine Art neues Outfit entsteht? Oder finde ich mein Wunschteil vielleicht sogar zuerst irgendwo Second Hand?

Mit diesen Fragen hat meine Lebenseinstellung eigentlich begonnen und das hält heute noch an. Inzwischen überlege ich wochenlang, ob ich mir ein neues Teil zulegen soll und meistens brauche ich es am Ende dann doch nicht. Früher hätte ich es mir sofort gekauft und dann vermutlich, wie bei so vielen Kleidungsstücken in meinem Kasten, nie getragen.

Ich möchte hier auch niemanden zu etwas drängen oder mit dem Zeigefinger auf jemanden zeigen. Sonst bekomme ich nur den Mittelfinger zurück. Keiner ist perfekt, ich schon gar nicht. Es ist auch in Ordnung die Fast Fashion, die wir bereits besitzen, noch jahrelang weiter zu tragen. Am Besten reparieren lassen und erst dann weggeben, wenn sie wirklich zerfallen. Denkt mehrere Male darüber nach, wie dringend ihr neue Klamotten braucht und vor allem wer unsere Kleidung macht!

 

Alles Liebe,

Johanna

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8 Comments

  • Reply
    Benjamin
    März 6, 2018 at 6:25 am

    Lässt einen wirklich nachdenken…

  • Reply
    Julia
    März 6, 2018 at 6:37 am

    Hallo, erstmal danke für den Beitrag und die Inspiration! Mich würde jetzt nur interessieren, ob du dann all deine anderen Fast Fashion Kleidungsstücke weggegeben hast bzw was du damit gemacht hast? 🤔
    Vielen Dank und alles Liebe, Julia

    • Reply
      Johanna
      März 6, 2018 at 6:57 am

      Danke für diese Frage! Natürlich habe ich mein altes Gewand nicht weggegeben,das wäre ökologisch auch nicht sinnvoll! Ich ziehe meine alten Sachen so lange an bis sie ganz kaputt sind und kaufe dann halt keine neue fast Fashion mehr nach…Auch gebraucht gekaufte Kleidung muss nicht immer fair Fashion sein…gebraucht Kleidung kaufen wäre sowieso das Beste, weil weiterverwendet, einzigartig und günstig!!😊😊

  • Reply
    Sophie
    März 6, 2018 at 3:51 pm

    Du bist eine offene und
    syphatische Bloggerin, die faire Mode spannend und attraktiv macht
    und uns Leser zu einem nachhaltigen und bewussten Lebensstil anregt! Super!

    • Reply
      Johanna
      März 13, 2018 at 9:10 am

      Oh, vielen Dank für dieses nette Kommentar!!! 😀

  • Reply
    Katalin Kronberger
    März 9, 2018 at 8:51 pm

    Cool! Kann ich mir den Film mal ausborgen? Ich glaube ich brauche einen Schock um zur Tat zur Schreiten.

    • Reply
      Johanna
      März 9, 2018 at 9:24 pm

      Leider hab ich den Film nicht, ich hab ihn auf Netflix gesehen! Aber ich schau mich mal im Internet um, ich bilde mir ein dass ich ihn woanders auch schon mal gesehen hab 😊😊😙😙

  • Reply
    Anna
    April 17, 2018 at 9:46 am

    Hier is ein super Dokument über die „Wahrheit hinter dem Barcode“…absolut lesenswert!

    https://drive.google.com/file/d/0B63rVV4B2F2nRG03SzBNUTNiSzQ/view

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