Mamisein

Pflegefamilie – Unsere Erfahrungen

Nun ist es schon zwei Monate her, als die kleine Maus in unsere Wohnung, in unser Leben und in unsere Herzen kam. Wie ein Wirbelwind hat sie uns erobert und wir können uns ein Leben ohne sie jetzt schon nicht mehr vorstellen.

Die ersten Wochen

Ich möchte hier ganz ehrlich sein, die ersten Wochen waren nicht leicht. In meiner Vorstellung sollte das alles ganz romantisch ablaufen, wir bekommen ein Baby anvertraut, das wir uns schon so lange wünschten, wir werden ab dem ersten Tag eine glückliche Familie und unser Leben wird perfekt.

Wir sehr habe ich mich geirrt.

Wir wünschen uns nun schon seit fast 7 Jahren ein Kind und die letzten Jahre waren wirklich eine große Probe für unsere Ehe, es wurde viel ausprobiert, viel gescheitert und viel geweint. Die Krönung war unsere Fehlgeburt in der 12. SS-Woche im April 2018. Das war der Moment, an dem wir beschlossen haben es mit dem leiblichen Kind einmal sein zu lassen. Wir haben eine Pause gebraucht und das hat uns gut getan.

Wie bereits in einem Beitrag geschrieben haben wir uns als Pflegeeltern beworben und die restliche Geschichte kennt ihr ja. Ende Jänner haben wir dann den lang ersehnten Anruf bekommen und zwei Wochen später ist das 9 Wochen alte Mädchen bei uns eingezogen.

Die perfekte Mutter.

In diesen gesamten letzten Jahren der Kinderlosigkeit habe ich ein Bild von mir als Mutter erschaffen, ein Ideal, welches ich nie im Leben erreichen konnte. Die ersten zwei Wochen waren wirklich hart. Dieses kleine Menschlein war mir fremd, ich war ihr fremd und wir haben uns einfach nicht gekannt. Ich wusste nicht was sie von mir will, sie wusste nicht was ich von ihr will. Es folgten viele Abende mit einem schreienden Baby, dessen Bedürfnisse wir nicht kannten, verstanden und befriedigen konnten. Mir war klar, dass ich sie noch nicht wie eine Mutter trösten konnte, war ich doch vollkommen fremd für sie. Ich hatte eine fremde Stimme, einen fremden Geruch und alles herum war sowieso auch neu. Das war sehr hart für mich. Ich war überfordert, hab oft weinen müssen und ja, um ehrlich zu sein habe ich auch begonnen zu zweifeln, ob das alles eine gute Idee war.

Ich konnte nicht die Mutter sein, von der ich immer dachte sie sein zu können. Ich war nicht so stark, wie ich dachte, nicht so geduldig, wie ich es mir selbst angeschaffen habe. Ich war sehr hart zu mir, hab mich geurteilt für meine Schwäche, dafür dass ich nicht in Glück und Dankbarkeit dahin schmelze, habe ich mir doch so viele Jahre ein Kind gewünscht.

Vielleicht war es meine Bestimmung keine Mutter zu sein? Vielleicht war ich dafür nicht geschaffen worden und habe das alles nur erzwungen.

Zum Glück habe ich durchgehalten.

Mein Mann war und ist die größte Unterstützung meines Lebens. Er hat sich alle Zeit genommen, die er hatte, um mir unter die Arme zu greifen, mir gut zuzureden und mich aufzubauen. Noch nie habe ich mich so als Team gestärkt gefühlt, wie in den letzten Monaten.

Um allen, die das hier lesen, zu verraten wie es weiter ging: Ich bin froh, dass ich durchgehalten habe. Es ist klar, dass wenn sich zwei Menschen treffen, die sich vollkommen fremd sind, erst einmal eine Kennenlernphase starten muss. Und bei einem Baby erst recht. Dass es so romantisch abläuft, wie ich es mir immer vorgestellt habe, war für mich bitter, aber auch notwendig. Wir haben uns in allen Seiten und Formen unserer Persönlichkeiten kennengelernt, gemeinsam Kraft geschöpft und uns durch Weinen und Sorge besser kennengelernt, als ich mir je vorstellen hätte können. Diese kleine Zwetschke hat es faustdick hinter den Ohren, aber ich kenne sie nun, als wäre sie immer schon bei uns gewesen und sie kennt uns nun auch.

Es wird immer harte Momente geben als Pflegemutter, Pflegevater und Pflegekind. Aber es werden die schönen Momente überwiegen. Wo man plötzlich Trostspender Nummer eins ist, der lustigste und tollste Mensch der Welt, das liebste und herzigste Kind des Universums.

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2 Comments

  • Reply
    Franziska
    April 8, 2020 at 9:38 pm

    Ich freue mich sooo sehr für euch und bewundere euch, wie stark und bemüht ihr seid. Sie hätte keine besseren Pflegeeltern finden können ♥️

    • Reply
      Johanna
      April 14, 2020 at 4:59 pm

      Oh danke für die lieben Worte Gigga 🙂 Wir sind auch sehr glücklich über diese Entscheidung!

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