Nachhaltigkeit

Hund vegan ernähren?

Was? Man kann einen Hund vegan ernähren? Das ist doch absurd, gegen die Natur und sowieso auch Tierquälerei.

Das habe ich oft gelesen, als ich begonnen habe über vegane Hundeernährung zu recherchieren und mir Informationen einzuholen. Mein Mann und ich leben seit vielen Jahren vegetarisch und seit einigen Monaten nun auch schon komplett vegan. Fleisch gab es bei uns schon lange nicht mehr, aber das änderte sich als wir unsere Flora bekamen.

Der Hund stammt doch vom Wolf ab…der muss Fleisch essen! Lest selbst was Tierärztin Carina Eggers bei Dariadaria geschrieben hat:

„Die Vorstellung, dass der Hund ein Wolf ist hält sich hartnäckig. Allerdings ist der Hund eine eigenständige Spezies und sollte nicht immer mit dem Wolf verglichen werden. Selbst über Generationen verwilderte Hunde werden nicht wieder zum Wolf, genauso wie Wölfe die von Hand aufgezogen werden, nicht zum Haushund werden.

Was ist artgerecht? Wer sich auf die Suche nach Antworten begibt, tut gut daran selbst in den Spiegel zu sehen, denn 99 Prozent des genetischen Erbguts von Mensch und Schimpanse sind identisch, genau wie beim Hund und Wolf. Aber wer kommt auf die Idee uns Menschen ständig mit den Schimpansen zu vergleichen? Der Hund ist kein Wolf mehr, genau wie wir keine Schimpansen mehr sind.

Die übermäßige Fleischverfütterung ist durch die aus dem Wohlstand der Bevölkerung entstandenen Futtermittelindustrie vor ca. 30-40 Jahren in den Vordergrund gerückt. Diese Firmen haben durch gezielte Marketingkampagnen die Idee ins Leben gerufen, dass der Hund noch immer ein Wolf ist und riesige Mengen Fleisch verzehren sollte um gesund zu bleiben. Der Hintergrund war, dass man somit lukrativ Schlachtabfälle und auch Nebenerzeugnisse aus der Getreideverarbeitung entsorgen konnte. Beim Menschen kennen wir ja auch die Geschichte, dass man am besten einige Liter Kuhmilch am Tag trinken sollte um gesund zu bleiben. Das dem nicht so ist, wurde mittlerweile durch unzählige Studien belegt.

Gerd Leder, ein Biologe und Rassenexperte, der sich auch mit wildlebenden Hunden durch Beobachtungen befasst, sagt z.B. dazu:

“Im Gegensatz zur komplett veganen Hundeernährung hat eine vegetarische oder überwiegend vegetarische Fütterung in vielen Teilen der Erde Tradition. Das Hauptfutter vieler Hunde, die in verschiedenen landwirtschaftlichen Systemen eingebunden sind, besteht aus Brei. Dieser wird in Russland oft aus Buchweizen (russ. „Kascha“), in der Türkei aus Gerstenmehl, in Nordafrika aus Hirse und in Indien aus Reis hergestellt, indem man ihn kurz mit Molke aufkocht, oder mit kochendem Wasser überbrüht. Je nach Verfügbarkeit werden verschiedene Milchprodukte eingerührt. Auch in Deutschland war das Hauptfutter für arbeitende Hütehunde bis vor ca. 40 Jahren der Haferschrotbrei.”“

Den ganzen Artikel dazu, findet ihr hier.

Ihre Gesundheit und ihr Allgemeinwohl steht für uns natürlich an erster Stelle und da sie unser erster Hund war, wollten wir auch keinesfalls irgendwas falsch machen und das fing natürlich gleich mal bei der Ernährung an.

Als sie noch klein war, bis zu ihrem 1. Geburtstag, bekam sie Welpenfutter. Das war einfaches Trockenfutter, speziell für ihr Alter und wir hatten natürlich keine Ahnung was da drin war. Sie hatte oft Blähungen und pupste so grausam, das wir dachten einen qualvollen Erstickungstod aufgrund ihrer Flatulenzen erleiden zu müssen. Nach einiger Zeit haben wir uns damit aber abgefunden und dachten es sei ganz normal, dass Hunde pupsen und stinken.

Was für ein Irrtum.

Viele Wochen und Monate geisterte schon der Gedanke meinen Hund vegan zu ernähren in meinem Kopf herum. Wie kann ich versuchen möglichst nachhaltig zu leben, dem Klimawandel entgegen zu arbeiten, selbst vegan zu leben, aber meinem Hund gleichzeitig jede Menge Fleisch zu verfüttern?

Als sie dann kastriert wurde und volljährig war, habe ich begonnen mich mehr und mehr mit dem Thema der veganen Hundeernährung zu beschäftigen. Habe unendlich viele Texte, Erfahrungsberichte und Interviews gelesen. Ich suchte und suchte nach veganem Hundefutter, wo keine Millionen Zusatzstoffe drin sind oder alles nur aus Soja bestand. Soja wollte ich ihr auch keines geben, weil das einfach in großen Mengen für Hunde genauso schlecht ist, wie für Menschen auch. Die Dosis macht das Gift. Und das war mir für eine tägliche Fütterung irgendwie nicht so passend.

Veganes Hundefutter war irgendwie sehr teuer und auch nur online zu bestellen, was den ökologischen Fußabdruck nicht unbedingt klein hält. Da ich sehr viel und sehr gerne selber koche, habe ich eine Tierärztin kontaktiert und diese hat mir einen kompletten Ernährungsplan speziell für unseren Hund erstellt.

Kann man einen Hund vegan ernähren? Ich kann aus Erfahrung sprechen: Meiner Hündin geht es super und sie ist wirklich mega gesund. Sie hat keine Ausschläge mehr, keine Blähungen und stinkt fast nie (ok, manchmal wälzt sie sich im Wald in Dingen, von denen ich hier nicht sprechen will, da stinkt sie dann erbärmlich). Ich weiß zu 100% was in ihrem Essen drin ist, was ich ihr gebe und wieviel. Sie ist topfit, sportlich und keine Spur von Über- oder Untergewicht. Ihr Fell glänzt und ist super schön. Was soll ich mehr sagen? Wir sind super zufrieden mit dieser Entscheidung und wenn ich mir die liebe Flora hier so anschaue, glaube ich auch, dass sie zufrieden ist.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass ihr euch unbedingt eine fachärztliche Beratung holen solltet, wenn ihr mit einer Ernährungsumstellung bei euren Hunden anfangt. Das kostet nicht die Welt, ist gut investiertes Geld und man ist auf der sicheren Seite.

Also, worauf wartet ihr noch? 🙂

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2 Comments

  • Reply
    Claudia Ganzenmüller
    November 11, 2019 at 11:52 am

    Guter Artikel! Es gibt Tierärzte oder Ernährungsberater, die auf vegane Ernährung spezialisiert sind, so z. B. Lisa Walther oder auch Christine Burggraf und Dr. Romberger. Denn leider wissen die meisten üblichen TÄ noch nicht viel über vegane Hundeernährung und raten pauschal ab. Ich füttere meine Hunde seit 10 Jahren vegan mit bestem Erfolg.

    • Reply
      Johanna
      November 14, 2019 at 6:32 pm

      Ja bei der Lisa Walther sind wir eh auch und sie hat den Ernährungsplan für die Flora erstellt, wir sind super zufrieden mit ihr 🙂
      Wir können wirklich bis jetzt auch nur positives Berichten…toll, dass du schon seit 10 Jahren dabei bist! Kochst du selber? Glg

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